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Podiumsgespräch über Antisemitismus und Rassismus in der DDR, in Ostdeutschland und in Berlin


– Perspektiven der nächsteN Generation –


am:   Dienstag, 30.11.2021, 19:30 Uhr
im:    Pfefferberg Haus 13 (Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin)

[ Mit Livestream ]


Die Geschichte der DDR wirkt auch über 30 Jahre nach der Vereinigung weiter nach, genauso wie der ostdeutsche Staat – ähnlich wie und doch ganz anders als die BRD – stark von der nationalsozialistischen Vergangenheit geprägt war. Indem der »antifaschistische Staat« allein das Finanzkapital für den Nationalsozialismus verantwortlich machte, konnte eine Auseinandersetzung mit der Verstrickung der (ost-)deutschen Bevölkerung in die NS-Verbrechen vermieden werden. Auch Antisemitismus und Rassismus als zentrale Elemente der NS-Ideologie blieben weiterhin Bestandteil der politischen und gesellschaftlichen Kultur.

Jüd*innen waren in der DDR auch staatlicherseits immer wieder mit Antisemitismus konfrontiert. Jüdisches Leben hingegen hatte keinen Platz in der Öffentlichkeit. Erst in den 1980 Jahren begann die Kinder jüdischer Kommunist*innen, sich zusammenzuschließen und ihre Jüdischkeit neu zu beleben.

Gleichzeitig war Rassismus in der DDR sehr präsent: Das Leben der Vertragsarbeiter*innen und ausländischen Studierenden wurde vom Staat stark reglementiert, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung waren nicht erwünscht. Nicht selten mussten sich Migrant*innen gegen rassistische Anfeindungen zur Wehr setzen. Nach 1989/90, zwischen Umbruch und nationalem Taumel, brachen sich diese Ressentiments dann in unzähligen Übergriffen Bahn, bis hin zu rassistischen Morden sowie Pogromen gegen Asylsuchende und andere, die als »nicht deutsch« angesehen wurden.

Heute, 30 Jahre später, sind (latenter) Antisemitismus und Rassismus im Osten Deutschlands stärker verbreitet als im Westen. Rechtspopulist*innen inszenieren sich erfolgreich als Stimme der „Einheitsverlierer« und bekommen dort vergleichsweise hohen Zuspruch. Während die jüngeren Debatten über den Transformationsprozess sowie die mit ihm verbundenen negativen Begleiterscheinungen und biografischen Brüche zunächst vor allem auf weiße, nichtjüdische Erfahrungen bezogen waren, mussten sich (p)ostmigrantische und jüdische Stimmen darin erst Gehör erkämpfen.

In unserem ersten Podiumsgespräch zu diesem Themenfeld im Herbst 2020 haben wir mit unseren drei Gästen, die den Zusammenbruch der DDR als Erwachsene erlebten, über die Erfahrungen von Jüd*innen, Schwarzen und People of Color vor und nach 1989/90 sowie über aktuellem Antisemitismus und Rassismus im Osten Deutschlands gesprochen.

In diesem Jahr interessieren uns die Perspektiven der nächsten Generation: Welchen Einfluss hatten die Erfahrungen der Eltern auf die Biografien ihrer Kinder, und welche Rolle spielen diese Geschichten heute noch für sie? Wie erleb(t)en sie vor diesem Hintergrund den Transformationsprozess, und wie schätzen sie aktuell den Rassismus und Antisemitismus in Ostdeutschland und (Ost-)Berlin ein?

Im Gespräch:
 

Stella Leder
Kultur- und Literaturwissenschaftlerin

Stella Leder, geboren 1982 in Berlin, ist die Enkelin des bekannten ostdeutschen Schriftstellers Stephan Hermlin. Ihre Mutter wurde in den 1970er Jahren aus der DDR ausgebürgert– was nicht nur mit der Stasi zu tun hatte, sondern auch mit Antisemitismus, und wodurch Stellas Leben stark geprägt wurde. Über ihre jüdisch-deutsche Familiengeschichte hat sie im Herbst 2021 das Buch »Meine Mutter, der Mann im Garten und die Rechten« (Ullstein Verlag) veröffentlicht. Stella arbeitet in verschiedenen NGO zu Antisemitismus, Gender und Rechtsextremismus sowie als freie Dramaturgin und Publizistin.


Lydia Lierke
Politikwissenschaftlerin

Lydia Lierke, geboren 1990 in Hoyerswerda, ist Mitherausgeberin des Sammelbands »Erinnern stören. Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive«. Darin hat sie gemeinsam mit zwei anderen Autor*innen auch einen autobiografischen Beitrag über ihre Erfahrungen in Ostdeutschland als Kinder von ausländischen Vertragsarbeitern bzw. Studenten sowie einer deutschen Mutter veröffentlicht. Lydia arbeitet als Bildungskoordinatorin für Migration bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und engagiert sich in verschiedenen antirassistischen Initiativen und Bündnissen.


Duc Ngo Ngoc
Filmemacher

Duc Ngo Ngoc, geboren 1988 in Hanoi, ist in Berlin als Kind vietnamesischer Vertragsarbeiter aufgewachsen. Er hat mehrere preisgekrönte Filme gedreht, darunter den autobiografisch inspirierten Kurzspielfilm »Obst & Gemüse«, in dem er auf humorvolle Weise von dem Verhältnis des vietnamesischen Ladeninhabers zu einem deutschen Mitarbeiter erzählt. Duc ist Masterabsolvent der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und arbeitet als freischaffender Filmemacher. Seit 2021 leitet er die »Drehs Um«- Filmworkshops, in denen er viet-deutsche Jugendliche beim Drehen ihrer eigenen Kurzfilme anleitet.

Moderation:

Tahera Ameer
BildungsBausteine e.V.


Anmeldung:

Bitte melden Sie sich bis zum 28.11.2021 per E-Mail an unter:
susanna.harms[at]bildungsbausteine.org

und teilen Sie uns mit, wenn sie nur online teilnehmen möchten. Wir schicken Ihnen dann vor der Veranstaltung den Link zum Livestream zu.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „Bewegte Vielfalt in Berlin“ statt.

Gefördert durch: